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Travel Report Zimbabwe 1999

Entomologische Streifzüge durch Zimbabwe
Unser Urlaub im Frühjahr 1999

Sehr vereinfacht dargestellt ist Zimbabwe ein kreisrundes Land mit einem Radius von 320-420 km. Im Zentrum liegt die Stadt Gweru - und im Abstand von 200-300 km darum die größeren Städte wie die Ziffern auf dem Uhrblatt: Harare bei 1.30 Uhr, Mutare bei 3.00 Uhr, Masvingo bei 4.30 Uhr , Bulawayo bei 7.30 Uhr und Hwange bei 9.30 Uhr.
Wir hatte uns strategisch das Ende der Regenzeit als Reisezeit gewählt, um noch etwas von der Vielfalt der Insekten mitzubekommen, ohne daß es jedoch beständig schüttete.

Am 27.2.99 kamen wir früh mit Lufthansa aus Johannesburg in Harare an. Unser erster Besuch in Zimbabwe! Aus dem Flugzeug hatten wir bereits festgestellt, daß das Land unter uns ziemlich grün ist - und daß der Himmel überall voller Wolken hing. Im Toyota Corolla von Avis waren unsere Koffer schnell verstaut und - wie meist - steuerten wir sofort aus der Stadt heraus. In der Landela-Lodge bei Ruwa, 37 km östlich Harare auf der Strecke nach Mutare wollten wir die beiden ersten Nächte bleiben, um uns zu akklimatisieren. Eines der landestypischen Gästehäuser mit Rietdach wurde unsere Bleibe. Noch bevor wir einzogen, lag Hanni bereits auf den Knien und fotographierte ihre ersten Objekte der Begierde. Das Fotofieber sollte sie in den nächsten 3 Wochen nicht mehr loslassen. Es wurden schließlich 53 Diafilme a 36 Bilder, d.h. ca.1 Bild pro 1,8 km unserer Rundreise.(Länge der Reise in km klar?)

Angeblich konnte man nirgendwo in der Nähe wandern - für den in den Prospekten beschriebenen angeschlossenen Tierpark sei es zu naß. Also fuhren wir zu den Mukuvisi Woodlands, ein Park " -- um den Stadtkindern Flora und Fauna des Landes näherzubringen". Doch dann öffneten sich die Himmelsschleusen, und es ging nichts mehr. Wir retteten uns in einen Supermarkt und kauften unsere Reiseverpflegung - sowie einen Schirm.

Am nächsten Morgen fuhren wir mit Patrick, einem schwarzen Führer, dann doch in den nahegelegenen privaten Game-Park und machten uns zu Fuß auf den Weg. Gleich wurden wir auch von einigen Kudus begrüßt. Doch Hanni machte Jagd auf die kleinen Viecher - und davon gab es bereits jetzt reichlich: bunte und bizarre Heuschrecken, Falter, Riesen-Käfer, die erste große behaarte Raupe und auch ein zierlicher goldener Laubfrosch wurden auf Zelluloid gebannt. Patrik beteiligte sich bald an der Pirsch, und ich bin ja auch ganz gut im Finden. Zwischenzeitlich ging noch 2x ein Regenguß nieder, und wir bekamen nasse Füße. Aber die Foto-Ausbeute des 1. Tages war doch ansehnlich.

Abends gab es dann wieder vorzüglich zu essen, und Shelly vermittelte uns erste Eindrücke dieses Landes. Nach der schrecklichen Trockenheit Anfang der 90-er Jahre und dem mäßigen Regen in den letzten Jahren, regne es dieses Mal so viel wie seit 40 Jahren nicht mehr. Mais und Tabak seien bereits wegen zu viel Regen verfault . Und es werde auch nicht innerhalb der üblichen Periode aufhören, sondern einfach weiterregenen. Wenn wir das einmal akzeptiert hätten, dann könne es ab jetzt nur besser werden. Eine schöne Urlaubs-Bescherung: immer wo wir hinkommen, gibt es gerade ein Ausnahme-Regen-Jahr!!

Gott sei Dank, kam es dann doch nicht so dick; in den südlichen Landesteilen hatte es nämlich unterdurchschnittlich geregnet: in Bulawayo mußten Maßnahmen zur Wasserrationierung getroffen werden. Wir hatte sowieso vor, erst nach Süden zu fahren und auf dem Rückweg die (verregneten) Eastern Highlands zu besuchen.

Im Stadtteil Epsworth schauten wir uns noch die Balancing Rocks an - aber das Wetter war nicht optimal für Fotos. Dafür entdeckte ich ein grasgrünes Chamäleon. Hanni setzte es auf den Weg, und es nahm ein braunes Fleckenkleid an.
Dann fuhren wir südöstlich durch Harares Außenbezirke und weiter - geradewegs südlich über Chivu und dann südöstlich über Mvuma nach Gweru. Die Landschaft war wenig beeindruckend: Büsche, Viehweiden, Elefantengras am Wegesrand.
Das Midlands-Hotel hatte bessere Tage gesehen, aber das Zimmer und vor allem das Bad waren groß und sauber. Beim Essen im Hotelrestaurant kam ich mir wie in einem sozialistischen Land vor: kaum etwas ,das auf der Karte stand, war auch zu haben. Seit die Sun-Kette das Hotel verkauft hat, steigen wohl kaum mehr Ausländer hier ab. Ansonsten bekamen wir überall im Land vorzügliches Essen, auch gute Weine.
Natürlich mußte eine Putzfrau am sehr frühen Morgen die Veranda im 1.Stock des Hotels, beginnend vor unserem Fenster, ausgiebig schrubben. Da blieb uns nichts anderes übrig als aufzustehen. Im Elektrofachgeschäft gegenüber fanden wir den dringend benötigten Stecker: Zimbabwe hat wieder ein anderes System als Südafrika.

Etwa 100km südlich Gweru folgten wir einem kleinen Schild nach Nalatale und befanden uns nun auf einen meist ordentlichen (ungeteerten ) Feldweg. Nach ca. 50km erreichten wir die Ruinen - malerisch auf einem kleinen Hügel gelegen. Ein Außenposten der Hauptstadt Great Zimbabwe, die im Mittelalter Zentrum der Ndebele war. Wir waren im März die ersten Gäste. Im Februar hatte man 50 notiert - meist Schulkinder. Feigenbäume haben den Ort inzwischen übernommen.
Der Blick schweift von den dekorativ gelegten Steinmauern über die Hügellandschaft: eine Burg kann hier nicht gewesen sein, eher eine religiöse Stätte. Höhepunkt für uns war eine Versammlung großer schillernder Rosenkäfer auf dem ausfließenden Saft einer Akazie: leuchtend-grüne Kopfplatten und elfenbeinfarbene Körper, mit grünen Bändern geschmückt, alles wie emailliert glänzend. Der weitere Weg zurück
zur Teerstraße war dann nicht mehr so angenehm zu fahren - ein Corolla ist eben kein 4x4.

Südlich Bulawayo liegt der Matobo-Nationalpark mit dekorativen Felsformationen, und dort hatten wir die nächsten 3 Nächte in der Matobo-Hills-Lodge gebucht. Sie liegt außerhalb des Parks in einem über eine schlechte Schotterstraße zugänglichen Hochtal sehr harmonisch der Landschaft angepaßt auf einem leicht geneigten Basaltfelsen ("whale-back"). Das Haus im typischen Stil war eingebettet in gewaltige Boulder und Grün, war  geräumig, aber mit den üblichen Problemen: innen schlechtes Licht und ein vermurkstes Bad - bei den Preisen! Dafür konnte Hanni abends wieder prächtige Nachtfalter photographieren.

Im Matobo-Park wäre ein Geländewagen auch besser gewesen! Bald gab es einen Schlag und einen lauten Krach, und ich fürchtete schon eine Reifenpanne. Das Auto hatte mit dem Untergestell einen gewaltigen Stein aus der Erdstraße gerissen: nochmal alles gut gegangen.
Kurz vor der Nswatugi Cave war dann die Straße doch zu schlecht, und wir gingen den letzten Kilometer zu Fuß. Die hohe, recht offene Höhle liegt in den Hügeln versteckt. Kudus, Zebras und Giraffen bevölkern die Höhlenwände. Ich entdeckte vor der Höhle in einem Blatt eine besonders eindrucksvolle Heuschrecke, die wir zum Auto mitnahmen, wo die geeignete Zweitkamera wartete.

Im Anschluß fuhren wir durch den Whovi Wild Area Game Park. Hier darf man nur an wenigen Stellen das Auto verlassen, so daß die Insektensuche nur beim Picknick an einem See möglich, aber sofort erfolgreich war. Danach sahen wir ein Breitmaulnashorn mit Jungem in der Nähe des Eingangstores. Eine Gruppe von Reitern hielt sich ganz in der Nähe auf: die Tiere haben nichts
gegen Pferde - aber zu Fuß sollte man lieber nicht so nahe herangehen.

Zum Sonnenuntergang waren wir dann beim View of the World. Auf der Kuppe eines mächtigen whale-backs liegt inmitten malerisch hingestreuter Felskugeln das Grab von Cecil Rhodes, nach dem das Land früher Rhodesien benannt war. Er wurde 1902 hier begraben. Später wurde das riesige Rhodesien in einen Nordteil (heute: Sambia) und einen Südteil (ab 1980 Zimbabwe) entlang des Zambeziflusses getrennt.

Die lange Zeit der Beherrschung des Landes durch den weißen Mann ist noch heute spürbar. Die Infrastruktur Zimbabwes ist so gut, daß man als Selbstfahrer reisen kann. Es gibt reichlich geteerte Straßen, viele Hotels und Lodges, überall Flughäfen, sogar die Eisenbahn funktioniert noch. Allerdings ist das Land derzeit nicht in bester Verfassung. Die Teilnahme am Congo-Krieg verschlingt nicht vorhandene Reserven: die Inflation beträgt 60%. Viele der weißen
Einwohner haben Zimbabwe verlassen, und die Mentalität der herrschenden Einheimischen
steht auf dem "schnellen Dollar" und führt m.E. wirtschaftlich langfristig nicht weiter.

Wir blickten von der Kuppe in die weite Hügellandschaft. Ein schönes Land! Hier in der Einsamkeit hat sich der Afrikaeroberer Rhodes zur letzten Ruhe legen lassen.
Hanni träumt auch von solch einem Plätzchen - aber zu Lebzeiten.

Schon der nächste Tag brachte neue Höhepunkte. Wir wanderten zur Bambata-Höhle. Zuerst führte ein schmaler Weg durch dicht bewachsenes Hügelland. Die hohen Gräser am Wegesrand waren bevölkert mit Zecken, die sich bald auf den Hosen und Beinen befanden, aber leicht abstreifen ließen. Es gab anmutige, „ zahme“ Schmetterlinge, Raupen, Libellen, Spinnen... alles, was die Damen im allgemeinen so lieben.
Dann erreichten wir den Fuß eines riesigen Basaltrückens. Auf diesem ging es nun aufwärts. Auch hier waren gigantische  Felsblöcke künstlerisch plaziert, und es eröffnete sich ein märchenhaftes Panorama .
Bald führte uns ein eleganter Felsbogen zur Bambata-cave . Diese Höhle ist
eher als klein zu bezeichnen. Sie zeigt die Jäger und ihre Beute. Die weißen Elefanten erzählen von der Sage der Buschmänner.

Oberhalb der Höhle geht es dann noch ein ganzes Stück weiter aufwärts. Von der Kuppe des Berges hat man einen noch schöneren Blick ins Land als vom View of the World,und es ist hier oben einsamer, da man nicht so nah mit dem Auto ranfahren kann. Wir aßen unseren Apfel, neugierig beäugt von einem Vögelchen, und sahen einer Eidechse bei der Heuschreckenjagd zu.

Freitag reisten wir weiter. Morgens besuchten wir in Bulawayo eine Buchhandlung - aber es gab kaum Literatur über die einheimischen Insekten. Im Museum of Natural History hatte früher der berühmte Entomologe E.C.G.Pinhey gearbeitet. Er hat das Standardwerk "Moths of Southern Africa" herausgegeben, das leider nicht mehr zu kaufen ist: wir suchen immer noch danach. Das Museum hat eine große Sammlung von Insekten - und auch eine schöne Ausstellung. So riesige Raupen hatten wir noch nie gesehen - sollten sie aber sehr bald selbst in der Natur entdecken!
Die Fahrt ging dann auf guter Straße durch parkähnliches hügeliges Land nordwestlich über Lupane und Gwayi River Richtung Hwange. Südlich Gwayi tauchten die ersten Baobabs auf.

Diese Nacht hatten wir nicht vorgebucht. So fuhren wir zum Main Camp im Hwange National Park. Die Unterkünfte waren aber nicht berückend. Deshalb eilten wir die 15 km zurück zur Hwange Safari Lodge, die jedoch ausgebucht war. Wir wurden an die Sikumi Tree Lodge vermittelt. Wieder 15 km - und die letzten 2 km auf enger, schlechter Sandstraße. Uns wurde ein herzlicher Empfang bereitet - aber, oh Schreck: die Baumhäuser waren nur über eine steile Treppe zu erreichen, die Zimmer im Baum oben offen - allerdings mit Moskitonetzen über den Betten, die Toiletten und das Bad unten. Und wir befanden uns ab heute in Malaria-gefährdeter Zone. Das war uns doch zu abenteuerlich. Also wieder telefonieren, den schlechten Pfad zurück. Kurz vor der Teerstraße ein Schlag und danach ein Röhren: das Auto hatte wieder aufgesetzt; diesmal war wohl irgendetwas kaputtgegangen. Aber das Auto fuhr noch, verlor kein Benzin... vermutlich ein Leck im Auspuffsystem. Nun mußten wir 30km bis Dete fahren, wo es ein New Safari Hotel gab. Das war auch fast leer ( vermutlich weil es so teuer und nicht besonders toll war). Aber die Leute waren - wie überall - sehr freundlich, die Zimmer einfach, aber mückensicher, und wir noch kurz vor Einbruch der Dunkelheit gelandet. Und es gibt immer zwei Seiten der Medaille! Das Hotel hatte starke Strahler, die viele Insekten anlockten. So konnte Hanni wieder neue Gottesanbeterinnen, Käfer und Nachtfalter photographieren.

Die Dichtung am Auspuffrohr war schnell repariert. Wir packten und zogen gleich in die nahegelegene Detema-Lodge um, die zwar noch teurer aber dafür super war. Dann fuhren
wir wieder zum Main Camp und informierten uns über die Möglichkeiten im Hwange National Park: zuerst bot sich eine Rundfahrt von ca. 90 km an, die wir im eigenen Wagen unternahmen. Höhepunkte waren ein Kronenkranichpaar mit Jungen, der einsame Elefant, die anmutige Giraffe, der uralte Baobab und dann ein Hochstand, von dem aus wir die Badestunde der Elefanten miterlebten.
Mit einem Ranger und 2 Holländern brachen wir anschließend zu einer Fußwanderung auf; das Erleben der wilden Natur wird so viel unmittelbarer. Wir streiften durchs hohe Gras, sahen die Elefanten aus angemessener Entfernung, passierten ein Löwenlager, das vor einiger Zeit verlassen worden war, und erschreckten 2 Wildschweine, die uns entgegenkamen. Auf einer weiten Ebene hatten sich Gnus, Zebras, Giraffen und Antilopen versammelt. Die Abendsonne lag warm auf dem gelben Gras; darüber ballten sich spektakuläre Wolkenbänke in Weiß und Schwarz vor tiefblauem Hintergrund. Sie brachten in der Ferne einen Schauer - für mich symbolisierte dieses Bild die heile Welt. Bei unserer Ankunft in der Lodge leuchteten diese Wolken in dramatischen Feuerfarben.

Am nächsten Morgen schulterte Chris, ein Berufsjäger, sein Gewehr. Wir verließen das vertraute Gelände und wanderten quer durch das Buschland. Es gab eine Fülle wunderschöner Käfer und Raupen, die bizarre, große gelb-schwarze Argiope-Spinne, Raubwanzen, Heuschrecken und Falter zu entdecken; häufig auf den herzförmigen Blättern des Mopane-Baumes oder an denen des weißen Seringa, der an einigen Stellen von den Harvester-Raupen ganz kahlgefressen war. Auffallend schön waren auch die metallisch glänzenden Schildwanzen in Türkis-Blau-Orange-Tönen und deren leuchtend bunte Larven. Viele der hier geschossenen Fotos werden in die Präsentationsauswahl kommen. Chris entpuppte sich übrigens als ein begabter Insekten-Sucher, der sichtlich Freude an der Sache hatte.

Sonntag nachmittag waren die anderen Gäste wieder abgereist, so daß es in der Lodge ruhig wurde, und wir genossen die Stille am Pool. Hanni hatte im main camp das neue Buch „Sand in the wind“ von Keith Meadows gekauft, das in den Nationalparks Rhodesiens spielt, und mich gleich in seinen Bann schlug. Am Abend zogen wir in ein imposantes Baumhaus aus glänzend rotem Teak-Holz um, wo dann die erste richtige Falternacht in dieser Lodge zu verbuchen war.

Weil es so herrlich gewesen war, verlängerten wir unseren Aufenthalt und starteten erneut zu einer Wanderung mit Chris, diesmal nördlich der Lodge. Ein Nachtfalter mit 10 cm Flügelspannweite lag tot im Unterholz. Obwohl die Ameisen den Körper schon ausgehöhlt hatten, war die Oberseite noch in voller Schönheit erhalten. Auch heute gab es wieder farbenprächtige Heuschrecken und Haarraupen, die gelbe Kugelspinne mit schwarzen, dicken Stacheln, alles wie lackiert glänzend, den Ei-Kokon einer Gottesanbeterin, einen Psychidenköcher, aus dem ein Räuplein sich zum Fressen halb herauswagte und unendlich vieles mehr. Etwa alle 10 Schritte taten sich neue Wunder auf.
Die dritte Nacht und der letzte Morgen offenbarten unzählige neue Einblicke in die skurrile Insektenwelt.

Rechts und links des Asphaltbandes auf der Strecke von Dete nach Victoria Falls gibt immer wieder  Ansammlungen strohgedeckter Hütten mit ihrem Maisfeld, vereinzelte gigantische Baobabs (Affenbrotbaum), und Stände mit Schnitzereien.
Man braucht nur irgendwo auszusteigen und sich umzusehen, schon befindet man sich wieder mitten im Insektenparadies.

In Vic Falls entschieden wir uns für die Ilala-Lodge, ein guter Griff wie wir meinen: es gab einen Nebensaison-Sonderpreis. Der warme Abend auf der Garten-Terrasse war einfach „ lush“, zumal auch die Küche mit glaciertem Straußensteak unseren Gaumen erfreute.

Aber zuerst wanderten wir zu den nahegelegenen Wasserfällen. Der Zambesi stürzt sich auf 1,7 km Breite in mehreren Fällen in eine tiefe, enge Schlucht. Man steht recht nah auf dem gegenüberliegenden Ufer und wird an vielen Stellen direkt naßgeregnet von den Sprühwolken. Die Gewalt der herabstürzenden Fluten ist fast körperlich zu spüren: hier möchte man nicht hineinfallen.

Zum Sonnenuntergang stand dann die obligate Bootsfahrt auf dem Zambesi oberhalb der Fälle auf dem Programm. Wenn es nicht so viele Boote und kreischende Engländerinnen auf unserem Boot gegeben hätte, wäre das Erlebnis des ruhig dahin-fließenden großen Flusses mit seinen Inseln, den Flußpferden und Krokodilen noch schöner gewesen. Aber die Victoria-Fälle sind nun einmal weltberühmt, und in Vic Falls gab es den einzigen Touristenrummel auf unserer Zimbabwe-Reise.

Auf dem Rückweg nach Bulawayo machten wir nochmals in der Hwange-Region Station, und hatten mit Camp Selous wieder riesiges Glück: eine kleine, gut geführte Lodge mit einem herrlichen Blick vom Häuschen in die weite Landschaft, gutem Essen und interessanten Gästen: eine Gruppe von Motorradtouristen (Hotelier aus Paris, Unternehmer aus Canada, 2 Österreicher...) bot vielfältigen Gesprächskontakt. Hanni konnte seit Jahren zum ersten Mal während des Abendessens Französisch sprechen.
Wir wanderten mit Jim in der näheren Umgebung, und Hanni vervollständigte ihre Insekten-Foto-Sammlung; doch vor allem die Nacht brachte neue Entdeckungen.

Auch am nächsten Morgen durchstreiften wir zu Fuß die Umgebung. Jim zeigte uns sein global positioning system, mit dem man seine jeweilige Position exakt bestimmen kann. Er erzählte auch, daß sie die Elefanten mit Warnschüssen vertreiben würden, wenn sie aus dem Park in die Maisfelder der Dörfer eindringen. Und wenn sie sich nicht vertreiben lassen, wird auch gelegentlich scharf geschossen.
Außer neuen Insektenfunden konnten wir auch ein Krokodil am Stausee aus der Nähe fotographieren.

Wir fuhren nachmittags nach Bulawayo zurück und übernachteten im Churchills, ein Best Western Hotel, das keinen positiven Eindruck hinterließ.
Und dann besuchten wir noch einmal das Natural History Museum, um persönliche Kontakte zu knüpfen. Wir lernten Frau Rudo Sithole kennen, Senior Curator of Entomology, die wir ggf. später kontaktieren können.

Die Fahrt von Bulawayo nach Masvingo führt durch die Berge. Die Regenwolken hingen über den Halden der (Asbest)minen. Am Nachmittag bezogen wir ein Ferienhaus in der luxuriösen „ Lodge at the ancient city“ nahe den Ruinen von „Great Zimbabwe“. Das Haupt“haus“ ist im historischen Stil mitten in die Felsen gebaut. Alles ist sehr künstlerisch und auch großzügig angelegt. Wir durchstreiften sofort das Gelände der Lodge auf der Pirsch nach Faltern und Co. Und wurden wie immer fündig.

Great Zimbabwe ist nach den Pyramiden von Ägypten die zweitwichtigste historische Stätte in Afrika. Die Anlagen wurden im Mittelalter von einheimischen Völkern errichtet. Auf einem Hügel liegt die „Akropolis“ und im Tal die „ Great Enclosure“ mit einer eleganten , ziemlich hohen Mauer aus flachen grauen Steinen, die mehrere Zonen und auch einen Turm umschließt. Vermutlich war Great Zimbabwe ein kulturelles und Handelszentrum , da man die Anlagen schlecht verteidigen kann.
Wir folgten von dort aus einem zauberhaften Weg zwischen meterhohen Gräsern und Blumen und entdeckten vielfältiges Kleingetier. Besonders attraktiv waren die Rosenkäfer. Und nicht zu vergessen natürlich die anmutigen Schmetterlinge, die uns überall begegneten.

Zu Beginn der dritten Woche waren wir auf dem Weg weiter nach Nordosten. Die Siedlungen neben der Straße wurden häufiger, oft säumten Menschen die Straßen. Die Landschaft war durchsetzt von Granitkuppen , deren Verwitterung auch hier zu den vielfältigsten Felsformationen geführt hat. Auf der Birchenough (Birkenau) Brücke überquerten wir den großen Fluß Save, der weiter südlich nach Mocambique abdreht. Nun ging es durch die Berge nach Chimanimani, einen kleinen Bergort, wo wir ein schönes Gartenzimmer im örtlichen Hotel bekamen. Noch am Nachmittag wanderten wir zu den „Brautschleier“- Wasserfällen und sahen unterwegs auch viele neue Raupen und Insekten.
Der umwölkte Sonnenuntergang über dem Berg-Panorama erinnerte an alte Meister der Landschaftsmalerei.

Morgens wanderten wir im ausgedehnten Eland-Park . Hier fallen die malerischen Flechten, Moose und Epiphyten an den Bäumen auf. Auf diesem Weg gelang es Hanni endlich, einer zierlichen Zygäne die sonst sehr scheu waren, ganz nahe zu kommen; und ebenfalls einem orange gefleckten Dickkopf-Falter.

Auf unserer Weiterfahrt kamen wir bei Mutambara wieder auf die Hauptstrecke Richtung Mutare. Östlich dieser Stadt in den Bergen liegt der tropische Regenwald Bvumba. Der Nebel hing auch in den Bäumen als wir auf 1700 m kamen. Doch dann führte die Straße wieder leicht abwärts, und das Eden Hotel erwies sich als wirkliches Paradies. Wieder bekamen wir ein sonniges, geräumiges Ferienhaus, das eigentlich für 4 Personen gedacht war. Von der Restaurantterrasse geht der Blick in die Weite zum Chicamba Real Damm, der bereits in Mocambique liegt. Das Essen, vom Chef selbst zubereitet, war exzellent. Beim Wein hielten wir uns an den landeseigenen roten „Mukuti“ Cabernet Sauvignon ; beim Bier wählte ich in der Regel das „Zambesi“ aus Zimbabwe. Und schon am frühen Abend tauchten die Nachtfalter auf. Der Bvumba erwies sich als das reichhaltigste Faltergebiet überhaupt. Hier gab es farbenprächtige Bären, exotische Schwärmer, markante Eulenfalter, bunte Zünsler, fein gezeichnete Spinner: alles was man sich nur wünschen kann.
Das Herz des Entomologen schlug schneller, der Foto-Zeigefinger bekam mächtig zu tun. Auch in Mutare ( wie schon in Vic Falls und Bulawayo) mußten wir später Filme nachkaufen. Am nächsten Tag besuchten wir die botanischen Gärten von Bvumba, die aber wenig gepflegt waren. So genossen wir lieber unser Eden - ich kam im dicken Roman gut voran, Hanni entdeckte auch beim Haus ständig etwas Neues. Die zweite Nacht bescherte abermals reichliche Ernte.

Den Ausflug zum Nyanga National Park in den Eastern Highlands brachen wir vor dem Rhodes Hotel - in strömendem Regen ab. Wir fuhren ein Stück zurück und schlüpften im Pinetree Hotel unter, das ein gutes Preis/Leistungsverhältnis bot. Ich möchte an dieser Stelle erläutern, daß in vielen Lodges in Zimbabwe drei Preislisten existieren: eine für Einheimische, eine für Besucher aus Nachbarländern und die teuerste für Überseetouristen. So war es für uns in Hotels wie dem Eden oder dem Pinetree, die beide diesem System nicht folgen, sondern eine Preisliste für alle Gäste haben, wesentlich preiswerter als in den renommierten Lodges, die man von Deutschland aus bucht, und wo man dann auch noch die Courtage für das Deutsche Reisebüro zahlen muß.

Der Regen holte uns auch im Pine-tree ein. Wir lernten ein sehr liebenswürdiges und interessantes englisches Ehepaar kennen, deren Neffe ein neues Journal „Travel Africa“ herausgibt. Vielleicht könnte Hanni dort mal einen Falterartikel plazieren. Gerade erhielten wir aus England die nächste Ausgabe mit einem Brief unseres Urlaubsbekannten.

Die Höhenstraße zurück zur A3 nach Rusape war millionenfach gesäumt von blühenden Cosmeen in Pink, Rosa und Weiß. Von Marondera aus waren es noch 37 km südöstlich bis zur Imire Lodge, unserem letzten Ziel. Eigentlich hatten wir eine andere Lodge aufsuchen wollen, die jedoch wegen Renovierung geschlossen war. So leitete uns das Schicksal in die schöne Savannenlandschaft von Imire, vorbei an der Mukuti Winery.

Gerade bei der Ankunft in Imire schüttete es in Strömen. Aber bald konnten wir eine erste kleine Erkundungswanderung unternehmen; und abends ging es per Jeep in  den angrenzenden Game Park zur Fütterung der Nashörner. Imire betreibt ein weltweit einmaliges Zuchtprogramm für schwarze Nashörner, die auch Tag und Nacht bewacht werden. Die erwachsenen Nashörner brauchen die Flasche natürlich nicht mehr; man behält aber auch bei ihnen das Füttern bei, damit sie abends willig in die Krale gehen, wo sie besser geschützt werden können.

Den Sundowner gab`s auf einem Hochstand am Stausee. Die dort lebenden Flußpferde werden mit Kraftfutter aus dem Wasser gelockt. Als dann Mitreisende den Abend speziell feiern wollten und einen Sektkorken hochgehen ließen, stürzten sich die Kolosse bei dem Knall vor Schreck schnell wieder ins Wasser.
Die Managerin Barbara, deren Vater die Lodge und das Tierreservat aufgebaut hat, ist außerordentlich sympathisch. Ein Schotte, den wir an der Bar sprachen, meinte, daß Imire die beste Lodge in Zimbabwe sei. Dies können wir bestätigen:
Bei der nachträglichen Bewertung (max. 10 Punkte pro Kriterium) unserer 13 Unterkünfte in Zimbabwe nach den Kriterien: Wohnen und Schlafen- auch Lage/ Bad und Dusche/Essen/Personal/Umgebung und Landschaft/Insektenvielfalt schnitt Imire mit 56 Punkten am besten ab, und das bei einem der niedrigsten Preise auf der Reise ( 40 US$ pro Person und Tag für Übernachtung, 3x Essen und alle Ausflüge). Auf den weiteren Plätzen folgten: Lodge at the Ancient City (54), Detema, das 250 DM pro Person und Tag für Übernachtung+Frühstück+Abendessen verlangte ( 53), Eden (ebenfalls 53, aber bei sehr niedrigem Preis!) , Camp Selous (46) etc... .


Die Lodge , 110 km östlich von Harare, eignet sich hervorragend als 1. oder letzte Station. 
Am nächsten Tag besuchten wir früh einige Höhlen mit Felszeichnungen, geführt von dem gewandten  Richard. In der Nähe fanden wir nahe beieinander drei ganz verschiedene sehr schön gezeichnete Raupen. Dann fuhren wir in den Game Park , allerdings in ein speziell abgezäuntes Gebiet, wo das Grab einer Prinzessin gefunden worden war. Dort konnten wir wieder wandern und Insekten suchen. Wir hatten - mit einer Ausnahme - immer schwarze Begleiter, die einen nachhaltig positiven Eindruck in unserer Erinnerung hinterließen: Sie zeichneten sich durch Liebenswürdigkeit, Höflichkeit und vornehme Zurückhaltung aus.

Ein Höhepunkt war das exquisite Mittagessen am Damm bei strahlendem Wetter. Die 4 Elefanten und die 5 Nashörner waren zu Besuch unterhalb des Felsens, wo wir lagerten. In der freien Natur  kommen sich Elefanten und Nashörner sonst nicht so nahe. Ein junger Elefantenbulle wollte sogar ein Nashornmännchen besteigen; drei der Elefanten gingen dann baden.

Später wurden den Elefanten Decken aufgelegt, und Hanni und ich starteten zu einem Ritt, jeweils hinter einem einheimischen Führer. Man sitzt da schon ganz schön hoch oben! Die Kolosse bewegten sich leicht schwankend: ich spürte die Wirbelsäule hin- und her schwingen. Dann ging es durchs Wasser und am Ufer steil nach oben : man mußte sich am Führer gut festhalten, um nicht nach hinten runterzufallen. Ich kann bestätigen: ein Elefant ist in unwegsamem Gebiet wesentlich verläßlicher als ein Geländewagen. Allerdings waren die Elefanten unterwegs ständig am Fressen. Mal wurde ein Büschel Gras ausgerissen, dann drifteten sie zu den Akazien ab, um sich einen dornigen Zweig über den Elfenbeinzahn geschickt abzureißen und zu verspeisen: pro Tag 500 kg , dazu 200 l Wasser. Da ist es auch verständlich, daß es eine rege Produktion von Dung gibt. Mein Führer versicherte, daß der Elefant sein bester Freund sei, daß er sehr intelligent sei und daß sie jeden Tag ausritten. Für mich war der erste Elefantenritt im Leben ein großes Ereignis.
So ließ ich Hanni den abendlichen Ausflug zum Damm allein machen und genoß an der Bar ein, zwei Zambesi.

Der letzte Tag war auch erfüllt. Wir wurden ein Stück im Auto mitgenommen und wanderten dann mit einem Führer etwa 2 Stunden durch die Hügel, trafen eine große Gnu-Herde, entdeckten Falter und Raupen, Libellen und Käfer, und Hanni knipste bis zum letzten Bild des 53. Filmes! Richard hatte Hanni zuvor bereits den Beinamen „ trigger-happy“ verpaßt!
Danach winkte eine erfrischende Dusche. Zum Abschied hatte man uns ein kleines Happi im Garten unter einem ausladenden Baum neben dem Teich bereitet.

Die Rückfahrt zum Flughafen dauerte knapp 2 Stunden. Wir gaben den Wagen ab, setzten noch die letzten Zimbabwe-Dollar in Souvenirs um und verabschiedeten uns dann dankbar für die vielfältigen Erlebnisse von dem wunderbaren Land Zimbabwe, das Gottes Schöpfung noch so nahe ist. Auf Wiedersehen !

Achim und Hanna Roland
17.4.99